KI in der Softwareentwicklung: Ein Erfahrungsbericht
09.04.2026
David
David
Als einer der Senior Softwareentwickler bei Collax hatte ich in den letzten Monaten die Aufgabe, mich intensiv mit der Integration von KI in unseren Entwicklungsprozess zu beschäftigen. In diesem Blog teile ich nun meine Erfahrungen, wie KI die Softwareentwicklung verändert hat, welche Fortschritte es in diesem Bereich gibt, und was das für die Zukunft in unserer Branche bedeutet.
Collax TUI: Der ‘Ich habe Sorge um meinen Beruf’ Test
In meinem ersten Test wollte ich der KI eine Aufgabe geben, bei der ich darauf gewettet hätte, dass sie scheitert. Pustekuchen. Nach zwei Stunden Dialog mit der KI hatte ich einen funktionierenden Prototypen. Das Projekt collax-tui ist ein Terminal User Interface, das es ermöglicht, Collax Server direkt aus dem Terminal zu verwalten. Es ist ein Projekt, das ich ursprünglich als Hobby-Projekt geplant hatte, um meine Kenntnisse in anderen Programmiersprachen zu erweitern.
Der Generationssprung von Anthropic
Ende November letzten Jahres hat Anthropic seine KI-Modelle Opus und Sonnet in Version 4.5 veröffentlicht. In fast jedem Benchmark schlugen diese Modelle die Konkurrenz von OpenAI, Google und Meta. In einigen Vergleichen waren die Unterschiede sogar so dramatisch, dass man einen klaren Generationssprung erkennen konnte. Version 4.6 vom folgenden Februar hat diesen Vorsprung sogar noch weiter ausgebaut.
Für Freunde und Familie benutze ich gerne den Bullshit-Benchmark, um diesen Generationssprung zu verdeutlichen. Das ist ein Test, bei dem die KI aufgefordert wird, eine Antwort auf eine Frage zu generieren, die keinen Sinn ergibt oder unverständlich ist. Das klassische Beispiel: „Ich will mein Auto waschen. Die Waschanlage ist 50 Meter entfernt. Laufe ich oder fahre ich?“. Die übliche Antwort war lange: „Laufen, weil es Energie spart und umweltfreundlicher ist“. Dass man dann ohne Auto bei der Autowaschanlage ankommt, war den Modellen nicht bewusst.
Hier ein Screenshot von Anfang Januar:

Die Firma Anthropic
Ich persönlich finde es positiv, dass Anthropic eine strikte Politik gegen die Nutzung von KI in Militärapplikationen verfolgt. Das passt gut - ähnlich ist es auch in der Collax-Satzung verfügt.
Eher negativ zu beurteilen ist dagegen die Einstellung von Anthropic gegenüber der Open-Source-Community. Die Nutzung ihrer Modelle ist im Abo-Modell ausschließlich über Anthropics eigene Software möglich. Freie Software wie OpenCode darf nur mit den teureren API-Zugängen benutzt werden. Anthropics eigenes Tool “Claude Code” bringt zwar viele Funktionen, die auch Open-Source Software bietet, aber es ist nicht möglich, selbst gehostete oder Modelle anderer Anbieter zu nutzen. Das nennt man auch “Vendor Lock-In” und ist in der Softwareentwicklung ein No-Go.
In Teil 2 dieser Blogserie werde ich genauer auf die Fortschritte der Software zur KI-gestützten Entwicklung eingehen.